• Karl Obermann

„Daten sind das neue Öl“

Siemens Digital Industries Software hat die neueste Version von NX Ende letzten Jahres veröffentlicht. Mit Model Based Definition enthält die Software nun Funktionen, mit denen die Anwender einen regel- und wissensbasierten Ansatz aufbauen können, um eine Automatisierung der Konstruktion, aber auch nachfolgender Prozesse zu realisieren. Über Details sprach unser Magazin mit Peter Scheller, Pre-Sales Manager Engineering Software bei Siemens Digital Industries Software.

Peter Scheller, Pre-Sales Manager Engineering Software bei Siemens Digital Industries Software.
Peter Scheller, Pre-Sales Manager Engineering Software bei Siemens Digital Industries Software.

Himmel & Erde: Herr Scheller, in einer Ihrer Presseinformationen vom November 2020 taucht der Begriff Xcelerator Portfolio auf. Um was handelt es sich dabei?

Scheller: Das Xcelerator Portfolio hat die Aufgabe, alles das was wir in den letzten Jahren an Lösungen, wie Mandix oder CAx Software bis hin zu Mentor Graphics, erworben haben, mit unseren traditionellen Produkten wie, NX oder Teamcenter, zusammen zu binden. Auch die dazugehörigen Dienstleistungen findet man hier wieder. Also ganz klar, hier steht die Gesamtlösung im Vordergrund.


Sind die neuen Funktionen für die Model Based Definition in NX nun der Einstieg in die Konfiguration und damit in die Automation der Konstruktion? Oder geht es „nur“ darum, das Modell weiter mit Informationen anzureichern?

Es ist ein neuer Ansatz, der die Automation in der Konstruktion unterstreicht. Das Anbringen der zusätzlichen Informationen an das 3D-Modell, die wir in der letzten Zeit hatten, nimmt doch viel Zeit in Anspruch. Und die vielen Informationen (siehe Bilder) müssen dann möglicherweise doch wieder auf die Zeichnung gebracht werden.

Wir haben jetzt in NX einen Regeleditor eingebaut, mit Hilfe dessen der Konstrukteur Regeln aufstellen kann, die dann diese Dinge automatisiert erledigen. Einmal aufgestellt können sie immer wieder eingesetzt werden. Neben der Konstruktion auch in nachfolgenden Prozessschritten.

Dieser wissensbasierte Ansatz erlaubt es, das Wissen der Konstrukteure und auch von anderen festzuhalten und immer wieder zur Verfügung zu stellen. Ein enormer Schatz, der von vielen Unternehmen erst noch entdeckt werden muss. Nicht umsonst heißt es ja, Daten sind das neue Öl!


Beispiel für die Nutzung eines Advisors im Bereich Model Based Definition.
Beispiel für die Nutzung eines Advisors im Bereich Model Based Definition.

Herr Scheller, wir beide reden ja schon lange über die Automatisierung der Konstruktion. Und Siemens hat sich schon vor Jahren „Intent“ gekauft, eine Software, die sehr gut für den Aufbau von Konfiguratoren geeignet und in NX integriert ist. Aber das hier ist das aber noch nicht oder überhaupt nicht?

Durch Intent haben wir viel gelernt. Unter anderem hat sich das Knowledge Fusion weiterentwickelt. Wir sind immer dran, solche Dinge weiter zu entwickeln. Jedoch hat das auch beim Anwender eine gewisse „Programmier-Affinität“ vorausgesetzt. Diese neue Regeleditoren brauchen das nicht. Sie stellen eine Art Low-Cost Programmierung für den Konstrukteur dar. Die kann jeder Techniker bedienen, ohne Programmiererfahrung. Also letztlich handelt es sich um eine Weiterentwicklung von Intent oder Knowledge Fusion.


Es geht also nicht um feste Extensions, die man halt hinzufügt, sondern es geht um Extension, die der Konstrukteur sich selbst macht?

Ja, wir geben ein gewisses Regelwerk vor, aber es können auch weitere eingebracht werden. Wir sind jetzt gerade dabei, mit Partnern, DIN/ISO-Regelwerke einzubringen. Letztlich kann auch der Kunde mit uns Regeln oder Richtlinien einbauen, die dann zu seiner Nutzung zur Verfügung stehen.


Wenn man das weiter denkt, kommt man irgendwann wieder auf den Digitalen Zwilling, der auch noch irgendwo „herumwabert“....

Ja, der Digitale Zwilling. Die Sache ist die, dass jeder etwas anderes darunter versteht. Der Konstrukteur dies, der Berechner das, der Automatisierer wieder was anderes und so fort. Das macht die Arbeit an der Stelle schwierig.

Ich denke, der beste Weg dorthin ist ein solides 3D-Modell. Solide heißt vollständig mit allen Details und mit der notwendigen Güte, sprich mit den nötigen Genauigkeiten usw. Ohne ein solches 3D-Modell als Basis braucht man erst gar nicht anzufangen. Dann kommen die anderen Dinge der realen Welt, sprich Elektrotechnik und Steuerungen auch noch dazu.

Wenn alles beieinander ist, dann kann simuliert oder überwacht oder sogar geschult werden.


Dieses Bild zeigt den NX PMI Advisor, eine vollständig integrierte PMI Validierungslösung.
Dieses Bild zeigt den NX PMI Advisor, eine vollständig integrierte PMI Validierungslösung.

Große Unterschiede sind auch von Firma zu Firma zu verzeichnen. Während die einen schon durchgehende Prozessketten haben, gibt es bei anderen nicht einmal ein einheitliches CAM-System...

Ja, hier sind am Ende die Chefs gefragt. Interessieren die sich wirklich dafür? Erkennen sie, dass die optimale Maschinennutzung schon in der Konstruktion beginnt oder schauen sie nur auf die Qualität und pünktliche Lieferung der Teile, weil für sie da die Wertschöpfung liegt?

Wer hier weiterkommen möchte, der kann nun mit unserem regelbasierten Ansatz arbeiten und das Wissen aus den Köpfen der Mitarbeiter in die Regelsätze bringen – auf vielen Ebenen. Aber eines sage ich auch, es wird dazu eine hohe Interaktion zwischen uns und den Kunden nötig sein.

Von Detailproblemen aber mal abgesehen, wird es in den nächsten Jahren, ausgehend von dieser Technologie, zu einem großen Umbruch kommen. Vielleicht zu vergleichen mit dem Übergang von 2D nach 3D.


Herr Scheller, vielen Dank für das Gespräch.



Über Siemens Digital Industries Software Siemens Digital Industries Software fördert die Transformation von Unternehmen auf ihrem Weg zum „Digital Enterprise“ – einem Betrieb, in dem Engineering, Fertigung und Elektronikdesign bereits heute den Anforderungen der Zukunft entsprechen. Das Xcelerator Portfolio hilft Unternehmen jeder Größe bei der Entwicklung und Nutzung digitaler Zwillinge, die ihnen neue Einblicke, Möglichkeiten und Automatisierungsgrade bieten, um Innovationen voranzutreiben.


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