• Karl Obermann

Toolcraft wurde Aktiengesellschaft: Der Weg in die Zukunft

Aktualisiert: 15. Dez 2020

Kürzlich hat der Gründer und Inhaber von Toolcraft, Georgensgmünd, Bernd Krebs, sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Er ist sich sicher, dadurch eine Reihe von zukunftsträchtigen Optionen zu haben, die sonst nicht zur Verfügung stünden. Unser Magazin führte mit dem Unternehmer das folgende Interview.


Die Toolcraft AG im fränkischen Georgensgmünd. Ein Vorzeigeunternehmen, mit rund 400 Mitarbeitern, wie es im Buche steht.

H & E: Herr Krebs, warum haben Sie kürzlich Ihr Unternehmen, MBFZ Toolcraft GmbH, in eine Aktiengesellschaft umgewandelt?

Krebs: Toolcraft ist für mich und viele hier, ein gelebter Traum. Es fühlt sich sehr wie ein Privileg an, meine Visionen zu leben und „unglaublich“ spannende Dinge zu tun. Die Umwandlung in eine AG beinhaltet viele nützliche Optionen:

Mit der AG ist es relativ einfach, die Firmenanteile an die nächste Generation weiterzugeben. Ich habe drei Kinder, und alle sind schon für Toolcraft tätig.


Mit der Umwandlung wurden unsere beiden Geschäftsführer zu Vorständen und unser kaufmännischer Leiter wurde ebenfalls zum Vorstand im Bereich Finanzwesen berufen; alle haben somit Resorts, die ihrer Passion entsprechen. Mein Sohn wird Teil des Aufsichtsrats, ebenso wurde ein erfahrener Jurist berufen, der unser Aller Vertrauen hat. Ich selbst übernahm die Position des Aufsichtsratsvorsitzenden.


Ferner ist zu sehen, dass unser Exportanteil bereits heute mehr als 30% beträgt. Dieser Anteil wird in Zukunft weiter steigen. High Tech Firmen, weltweit, sind unsere Kunden. Bei solchen Kunden hat eine Aktiengesellschaft ein besseres Standing und genießt höhere Aufmerksamkeit als eine GmbH, da sind wir uns sicher. Wir haben uns mit der Umwandlung also nichts verbaut, sondern alle Optionen für die Zukunft offen gehalten.



Uns fiel auf, dass ein Vorsitzender des Vorstands nicht genannt wurde.

Man braucht nicht zwingend einen Vorstandsvorsitzenden. Wir machen das kooperativ. Und meine Frau und ich sind ja auch noch da und wirken beratend im Hintergrund.



Gründer und heutiger Aufsichtsratsvorsitzender Bernd Krebs.

Bleibt das Unternehmen nun komplett im Familienbesitz?

Toolcraft wurde vor 31 Jahren als One Man Show gegründet und hat sich zu einem Familienbetrieb mit starken Werten entwickelt und soll das auch in Zukunft bleiben. Einige der Werte sind z. B. einer für alle, alle für einen, der Starke schützt den Schwächeren oder wer seine Ideen umsetzen kann und will, der darf auch. Wenn die Chance höher ist als das Risiko, dann legen wir los.


Wir fragen auch nicht was das kostet, wir fragen was es bringt. Nach meinen Erfahrungen ist so etwas in Großbetrieben kaum denkbar. Wir sind stets so verfahren, dass wir aus unseren Leidenschaften heraus etwas getan haben. Wir „lesen den Markt“ und passen uns dem dann an.


Ansonsten war es früher so, der Große hat den Kleineren „gefressen“, dann hat der Schnelle den Langsamen „geschluckt“ und mittlerweile überlebt derjenige, der am besten anpassungsfähig ist. Und Letzteres machen wir seit 31 Jahren.



Bevor wir den Stand heute betrachten, zunächst ein Blick auf den Anfang des Unternehmens.

Wenn schon Anfang, dann fangen wir ganz vorne an. Ich bin vor 58 Jahren geboren. Meine Vorfahren waren nicht besonders wohlhabend. Meine beiden Großväter waren Tagelöhner, mein Vater Maurer. Daraus resultierte ein einfaches Leben auf dem Land, was damals aber nicht so auffiel, weil es vielen so erging.


Als ich 9 Jahre alt war, starb meine Mutter. Ein Ereignis, das mein Leben völlig verändert hat. Ich musste mich in der Folgezeigt im Wesentlichen um mich selber kümmern.

An ein Abitur und Studium war nicht zu denken. So blieb der Weg zum Facharbeiter und später zum Industriemeister. Schon dabei hatte ich den Ehrgeiz, die Nase ganz vorn zu haben. Ich habe beide Ausbildungen mit Staatspreis, Berufschulbester und Meisterprüfung mit Auszeichnung bestanden.



Wie ging es dann weiter?

Trotz der geschilderten Qualifikationen ist man in einem Großbetrieb oder Konzern immer fremdbestimmt. Die Entscheidungen treffen andere. Das hätte mich auf Dauer „umgebracht“. Bildlich gesprochen kam ich mir vor wie ein Rennpferd auf einer viel zu engen Koppel. Das wird entweder krank oder haut ab.


Ich sah für mich drei Wege, nämlich depressiv zu werden und letztlich bei der Flasche zu landen, mich mit Extremsport abzulenken und zu trösten oder mein eigener Chef zu werden. Letzteres habe ich dann umgesetzt.


Vor 31 Jahren habe ich in Schwabach mit einer Maschine in einer Hinterhofwerkstatt angefangen. Ich habe als 1-Mann-Unternehmen begonnen, hatte weder Geld noch Kunden, aber eine Menge Power und einen eisernen Willen es zu schaffen. Trotzdem hätte ich es vielleicht nicht geschafft, wenn ich nicht eine so tolle Frau gehabt hätte, die mich machen ließ und für mich ein enormer Rückhalt war und übrigens noch immer ist.


Ein Blick in den Werkzeugbau von Toolcraft.

Was haben Sie zunächst hergestellt?

Präzisionsteile nach Zeichnung, Vorrichtungen, Lohnarbeiten...etc.

In dieser Zeit war ich mein eigener Vertriebsmann, meine eigene Arbeitsvorbereitung, habe die Bauteile selbst hergestellt und am Ende auch die Lieferscheine mit meiner alten Olympia Schreibmaschine geschrieben. Nach neun Monaten kam der erste Mitarbeiter, und meine Frau hat die Buchhaltung und die Finanzen übernommen.



Wann kamen Sie nach Georgensgemünd?

Nachdem der Platz in Schwabach knapp wurde, habe ich mich nach einem Grundstück umgesehen. Ein Onkel meiner Frau stellte den Kontakt zum Bürgermeister von Georgensgemünd her. Wir hatten bald ein sehr angenehmes und vertrauensvolles Gespräch. Nach nur drei Wochen waren wir beim Notar, und ich hatte ein Gewerbegrundstück für den nächsten Schritt des Unternehmens. Ich darf sagen, die Gemeinde Georgensgmünd bietet uns auch heute noch hervorragende Rahmenbedingungen und das Verhältnis zueinander ist sehr gut.



Welche ersten Schritte haben Sie an diesem Standort vollzogen?

Wir haben, mit viel Eigenarbeit, zunächst eine kleine Fertigungshalle mit Büro errichtet mit insgesamt 450 qm Fläche. Im Sommer 1992 sind wir dann mit fünf Kollegen umgezogen. Einige Jahre später, 1998, haben uns Kunden gedrängt, unsere Kapazitäten zu erhöhen. Im nächsten Jahr haben wir das geplant und im Sommer 2000 sind wir an diesen Standort in die Handelsstraße, Georgensgemünd, umgezogen. Die Zahl der Mitarbeiter hat sich infolge auf 50 verdoppelt. Heute haben wir ein Grundstück von über 50.000 qm Fläche und nicht weniger als 17.000 qm umbauten Raum.



Jedes Jahr eine neue Halle, jedes Jahr eine neue Technologie?

Wir passen uns dem Markt und den Erfordernissen der Zukunft an. Wenn das "Spiel" so läuft, dann machen wir das.


Toolcraft hat eine Kunststoffspritzerei mit 75 Mitarbeitern.

Es ging stets um die Teileherstellung oder?

Am Anfang schon. Heute bieten wir Lösungen an, um Dinge zu realisieren, die es bis dato noch gar nicht gab. Ein Präzisionsteil, ein Werkzeug, eine Form, eine Vorrichtung oder sogar eine komplette Maschine ist mittlerweile nur ein Mittel zum Zweck. Wir verstehen uns als Problemlöser und „Pace Maker“ für neue Technologien.



Um nochmals kurz auf die Teileherstellung zu kommen. Teilehersteller gibt es recht viele, wie konnten Sie sich vom Wettbewerb absetzen?

Wir haben bei Toolcraft sehr viel Expertise unter einem Dach: Präzisionsbauteile, Robotik, Metall Laser Sintern, Formen- und Werkzeugbau, Kunststoffspritzerei, Engineering, Produktdesign und Entwicklung. Wir vermeiden Abhängigkeiten, etwa von Banken, Kunden oder Branchen. Das ist bewusst so gesteuert, um die unternehmerischen Risiken zu minimieren und sichere Arbeitsplätze zu gewährleisten.


Wir sind Pioniere und setzen in vielen Branchen den Stand der Technik. Wir investieren viel in die Fortbildung und die Qualifikation der Mitarbeiter. Schließlich, wir überlassen nichts dem Zufall und verfolgen die Herausforderungen mit Akribie und Disziplin.

Zum Erfolg tragen ebenso unsere 56 Lehrlinge bei. Unser Ziel ist es, sie alle zu übernehmen und weiterzuentwickeln. Sie sehen also, es ist nicht ein Ding, auf dem unser Erfolg beruht, es sind viele Faktoren, die uns von anderen unterscheiden.


Auch das Thema Robotik ist eines der Kompetenzfelder des Unternehmens.

Ein Beispiel bitte.

Ein Beispiel wie wir so arbeiten? In Spalt gab es einen Formenbau mit der speziellen Qualifikation für Mikroformen (Kunde Minitrix). Mit dem Niedergang der Modelleisenbahnen ging auch der Werkzeugbau nieder und schließlich 2005 in Insolvenz. Mir hat das als Spalter Bürger wehgetan. So viele hochqualifizierte Menschen in Arbeitslosigkeit, das darf nicht sein.


Ich habe dann mit dem Insolvenzverwalter verhandelt, wie auch mit meiner Frau als unserer Finanzchefin. Sie war zuerst dagegen, mit dem Argument: „Du kannst nicht die ganze Welt retten.“ Nach langen Diskussionen hat sie doch grünes Licht gegeben, und wir haben das Unternehmen mit nur noch sechs Mitarbeitern übernommen.

Als erstes haben wir Restruktierungsmaßnahmen gemacht: Die Stechuhren wurden abgeschafft, in die Werkstatt kam eine Stereo-Anlage und jeder bekam einen Schlüssel.

Andererseits sind wir von der 35-Stunden-Woche wieder auf 40 Stunden gegangen. Es gab kein Weihnachts- und kein Urlaubsgeld. Damit waren alle einverstanden.


Dann kam eine sehr arbeitsintensive Phase, in der wir das Unternehmen wieder angeschoben und die ehemaligen Mitarbeiter zurückgeholt haben. Heute kann man sagen, die Sache ist gelungen. In Spalt hat der Werkzeugbau jetzt 85 Mitarbeiter und hier ist eine Kunststoffspritzerei entstanden mit 75 Leuten. Also rund 150 Leuten aus der Gegend haben einen neuen Arbeitsplatz gefunden!


Das Metall Laser Sintern wurde mittlerweile zu einem starken Standbein von Toolcraft. Nicht weniger als 13 entsprechende Maschinen stehen hier.

Wie ist der Stand des Unternehmens heute?

Toolcraft hat heute rund 400 Mitarbeiter, wie schon erwähnt 56 Azubis, der Frauenanteil beträgt 25%. Laut Expertise eines Münchner Marktbeobachters, Munich Strategie, sind wir bundesweit auf Platz 24 (Familiengeführte Mittelständler, (Wachstum und Ergebnis in den letzten 5 Jahren). In 2018 lagen wir noch auf Platz 30. Unsere Art zu arbeiten und zu wirtschaften funktioniert demnach hervorragend. Wir werden bald eine neue Generation von Flugzeugen, Triebwerken, Mikrochips, Medizinischen Geräten etc. sehen. Und die Hersteller werden immer weniger daran selbst fertigen. Den Löwenanteil machen Zulieferer. Wir werden vorne dabei sein. Wir sind uns sicher, dass was wir hier tun und wie wir es machen, wird auch in Zukunft gefragt sein...



Herr Krebs, vielen Dank für das Gespräch.



www.toolcraft.de

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