• Karl Obermann

Vom einfachen Strich bis zum digitalen Zwilling

Als man in den 60er Jahren mit CAD anfing war man froh, Striche und einfache Zeichnungen auf den Bildschirm zu zaubern. Zehn Jahre später ging es bereits um Systeme, die in der Lage waren, ganze Zeichnungen – wie bisher am Brett – nun am Bildschirm anzufertigen.



Viel wurde gestritten, ob sich das wohl lohnt bei dem sehr hohen Invest. Schließlich stützte man sich auf die sehr viel schnelleren Änderungsmöglichkeiten als Ratio Faktor. Aber auch Dinge wie, alles ist hier 1:1 der Wirklichkeit entsprechend zu konstruieren.

Die ewig gestrigen haben sogar noch Ende der 80er Jahre davon gefaselt, man könne es schließlich auch noch am Zeichenbrett... nicht wahr!


Zu der Zeit gab es bereits schon die nächste Generation von Systemen, die parametrischen Systeme. Bei ihnen wurden und werden die Maße als Parameter angegeben und diesen hat man dann später Werte zugewiesen. Dadurch ist man schneller, flexibler und erhält neue Möglichkeiten. Auf diese Parameter kann man auch von anderen Systemen aus zugreifen und eine Automatisierung aufbauen (Stichwort: Konfiguration).


Damit aber ist noch nicht Schluss, die Systeme erlauben es mittlerweile auch Zusatzinformationen abzuspeichern und das Renerinterne Modell (RIM) immer intelligenter zu machen, bis es weitestgehend der Wirklichkeit entspricht. Man spricht vom Digitalen Zwilling. Dieser lässt sich hervorragend simulieren, weil die Informationen dazu alle schon da sind, z. B. Werkstoffdaten.


Bis dahin ist man immer noch auf der konstruktiven Ebene. Jetzt gibt es aber immer noch CAM, die automatische Kostenrechnung, PDM, die Kopplung von PDM und ERP, eine fotorealistische Visualisierung und vieles mehr. Ja und dann will man dieses alles frei kombinieren können. Dann ist man heute bei einer Plattformstrategie, wie sie wohl am weitesten entwickelt – von Dassault Systémes angeboten wird.


Die Nützlichkeit wird von ersten Anwendern bestätigt. Nicht nur, dass man mit einer solchen Plattform schnell voran kämme, sondern man sieht auch den Vorteil, von überall her auf der Welt zugreifen zu können. Das heißt Cloud- und Internetnutzung.

Und dieses zeigt zugleich den Nachteil eines so hochgelobten Systemansatzes. Der Anwender ist nicht wirklich sicher.


Wenn es nichts ausmacht, etwa im Ausbildungsbereich, na dann ahoi! Wenn aber z. B. ein junges Unternehmen seine Entwicklungsdaten an einem Nachmittag Richtung Fernost los wird, was schon vorgekommen ist und der Datendieb mit dem neuen Produkt vor dem Originalentwickler auf den Markt kommt, dann wird dieser „viel weinen müssen.“


Also diese allermodernsten Plattformstrategien können sehr nützlich sein, aber bitte sehr genau auf die Datensicherheit schauen!



Herzlichst Ihr

Karl Obermann

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